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Adventskalender - 24. Dezember

20-12-24_Adventskalender24

Hilfe, die Herdmanns kommen…

Die Herdmann-Kinder waren die schlimmsten Kinder der Stadt. Sie logen und klauten, rauchten und erzählten schlimme Witze. Ralf, Eugenia, Leopold, Klaus, Olli und Hedwig. Sechs magere Kinder, mit zerzausten Haaren und vielen blauen Flecken, die sie sich selbst beigebracht hatten. Sie wohnten am Rande der Stadt einem baufälligen Haus mit einem Schild im Garten: „Vorsicht, bissige Katze“! Jeder lachte über das Schild nur so lange, bis er die Katze sah. Sie hatte ein kurzes Bein, einen gebrochenen Schwanz und nur ein Auge.

Wie jedes Jahr wurden Kinder für das Krippenspiel gesucht und in diesem Jahr kamen auch die Herdmann-Kinder. Sie hatten gehört, dass es an den Probennachmittagen immer Süßigkeiten gibt. Die Rollen wurden verteilt und Eugenia Herdmann meldete sich für die Rolle der Maria. Keiner wagte zu wiedersprechen, denn sie hatte für diesen Fall schreckliche Strafen angedroht. Und so verteilte Eugenia gleich die weiteren Rollen. Ralf sollte den Josef spielen und die Weisen aus dem Morgenland wurden Klaus, Leopold und Olli Herdmann. Den Verkündigungsengel bekam Hedwig. Nun hatte man ein Krippenspiel am Hals mit lauter Herdmanns in den Hauptrollen.

Normalerweise gab es in der ersten Probe viel Durcheinander und es war eigentlich recht langweilig. Aber nicht in diesem Jahr. Alle waren ganz leise und waren gespannt, was die Herdmanns Schreckliches anstellen würden. Zum Ersten kamen die Herdmanns 10 Minuten zu spät und dann schlenderten Sie durch die Kirche, als wären sie beim Einkaufsbummel. Leopold drehte erstmal Einem das Ohr um und eine von den Kleinen zuckte zusammen, als Hedwig an ihr vorbei lief. Nun saßen sie da, mit ihrem Herdmänner-Lächeln und sollten das Edelste und Schönste darstellen, das es gab. Kein Wunder, dass alle aufgeregt waren. Jetzt wurden die Kinder in Engel, Hirten und Herbergsgäste eingeteilt und schon gab es die ersten Schwierigkeiten.

„Wer waren denn die Hirten?“ wollte Leopold wissen. „Wo kamen die her?“ Olli Herdmann wusste nicht einmal was Hirten sind. „Was ist eine Herberge ?“ frage Klaus. Die Sache war eben die, dass die Herdmanns nicht das geringste von der Weihnachtsgeschichte wussten…..Das Beste war wohl, die Weihnachtsgeschichte erst einmal aus der Bibel vorzulesen. Das waren langweilige Aussichten, denn die anderen Kinder kannten die Geschichte schon auswendig.

Sonst wurde immer nur gesagt, wer jeder war und wo man zu stehen hatte. „….da machte sich auch Josef auf, dass er sich schätzen ließe, mit Maria seinem vertrauten Weibe, die gesegneten Leibes war…“

„Schwanger“, rief Ralf Herdmann. Das verursachte ziemliche Unruhe. „Was ist das?“ fragten die Herdmanns immer wieder, wenn sie einen Ausdruck nicht verstanden. Als die Stelle kam, dass kein Platz mehr in der Herbege war, fiel Eugenia die Kinnlade herunter, und sie sprang auf. „Verdammt!“ sagte sie. „Nicht mal für Jesus?“…. Na ja, es wusste niemand, dass das Baby Jesus sein würde. „Maria wusste es“ sagte Ralf. „Warum hat sie es denen nicht gesagt?“

„Ich hätt´s gesagt“, rief Eugenia dazwischen. „Mann, denen hätt´ ich´s vielleicht gesagt!“ Was war denn mit dem Josef los, warum hat der´s denn nicht gesagt? Dass sie schwanger war und das alles.“

Wie hieß es, wo sie das Baby reingelegt haben?“ fragte Leopold. „Diese Krippe….ist das so´ne Art Bett? Warum hatten die denn kein Bett im Stall?“ Das ist es ja gerade, sie mussten nehmen was da war“ erklärte die Krippenspiel-Leiterin.

„Was würdest du denn tun, wenn du ein Baby hättest und kein Bett, um es hereinzulegen?“ „Wir haben Hedwig in eine Schreibtischschublade gelegt“, erklärte Eugenia. „Siehst du“, sagte die Leiterin und zuckte ein bisschen zusammen. „Ihr habt auch etwas anderes nehmen müssen“. „Och, wir hatten schon ein Bett, aber da lag Olli noch drin und der mochte Hedwig nicht“, sagte Ralf. Weiter ging es in der Geschichte. Maria und Josef nahmen die Krippe, den hölzernen Futtertrog für Tiere. „Und wie war das mit den Windeln?“ war die nächste Frage. Und wieder musste die Leiterin erstmal erklären. “Früher hat man die Babys in Tücher gewickelt, so dass sie nicht herumstrampeln konnten. „Sie meinen, sie banden es zusammen und steckten es in eine Futterkiste?“ rief Eugenia. „Wo blieb denn da die Jugendfürsorge?“ Die Jugendfürsorge kümmerte sich immer um die Herdmanns.

In der Geschichte ging es weiter. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und……

„Batman!“ schrie Hedwig und warf die Arme auseinander. „Wie bitte?“ frage die Leiterin, die wohl noch die Comic-Hefte gelesen hat. „Aus dem Dunkel der Nacht erschien Batman, der Rächer der Entrechteten…“ Die Leiterin entgegnete Hedwig, „das ist der Engel des Herrn, der zu den Hirten auf dem Feld kommt.“

„Aus dem Nichts?“ frage Hedwig. „Na ja“ , sagte die Leiterin und sah etwas unglücklich aus. „Gewissermaßen“.

Hedwig setzte sich wieder hin und sah sehr zufrieden aus. So, als hätte sie endliche einen Teil der Weihnachtsgeschichte verstanden. „Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande“, ging es weiter, „kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem und sprachen….“ „Was bedeutet Weisen?“ wollte Olli wissen. „Waren das so was wie Lehrer?“

„Wahrscheinlich werden sie das Baby aus dem Trog nehmen und dem Wirt gehörig die Meinung sagen“, meuterte Eugenia; dann ging es weiter. „Sie fanden das Kindlein bei seiner Mutter Maria, fielen auf die Knie, beteten es an und legten ihre Schätze Gold, Weihrauch und Myrrhe nieder“.

„Was ist denn das für´n Zeug“ ging es wieder los. „Kostbare Öle und wohlriechende Düfte“, erkläre die Leiterin. Da schrie Eugenia: „Was sind denn das für schäbige Könige? Wer bringt denn Öl als Geschenk mit? Da kriegt man ja bei der Feuerwehr was besseres“.

Keiner konnte die Herdmanns verstehen. Man hätte denken können, die Weihnachtsgeschichte käme direkt aus irgendwelchen Polizeiakten, so gingen sie mit. Sie wünschten dem Herodes ein blutiges Enge, sorgten sich um Maria, die ihr Kind in einen Futtertrog legen musste und nannten die Heiligen Könige eine Bande schmutziger Spione.

Und als sie die erste Probe verließen, diskutierten sie darüber, ob Josef die Herberge hätte anzünden oder ob er den Gastwirt über die Grenze hätte jagen sollen……

Da keiner von den Herdmanns jemals zur Kirche gegangen war und keiner die Bibel gelesen hatte, hatten sie natürlich keine Ahnung, was man von ihnen erwartete. So wusste Eugenia nicht, dass Maria immer ruhig und mild dargestellt wurde. Bei Eugenia hatte sie mehr Ähnlichkeit mit der Frau vom Pizzabäcker; laut und temperamentvoll. „Geh vom Baby weg!“ schrie sie Ralf an, der den Josef spielte. Und sie ließ auch die Heiligen Drei Könige nicht zu nahe herankommen.

Vier Wochen dauerten die Proben und dann kam der Heilige Abend mit dem Krippenspiel in der vollbesetzten Kirche. Die Kinder sangen als Engelchor und sollten ein bisschen summen, während Maria und Josef durch die Seitentür hereinkamen. Sie kamen aber nicht und so summten und summten sie. Das wars, die Herdmanns würden das Krippenspiel ruinieren.

Doch dann kamen sie, Ralf und Eugenia als Maria und Josef. Ein paar Minuten standen sie nur da, als ob sie nicht wüssten, ob sie am richtigen Ort wären. Das lag vielleicht an den Kerzen und den vielen Menschen in der Kirche. Die beiden sahen aus, wie die Leute, die man manchmal in der Tagesschau sieht: Flüchtlinge, die irgendwo an einem fremden Ort wartend herumstehen, umgeben von Pappkartons und Säcken.

Plötzlich wurde allen klar, so musste es auch der echten Heiligen Familie gegangen sein. Einquartiert in einem Stall, von Leuten, denen es egal war, was mit ihnen geschah. Nach ihrem langen Weg konnten sie gar nicht so sauber und gepflegt aussehen. Eher so, wie jetzt Maria und Josef. Eugenias Schleier hing schief und Josefs Haare standen wie immer in alle Richtungen ab. Eugenia hatte die Babypuppe bei sich. Aber sie wiegte sie nicht in den Armen, wie man es gewohnt war. Sie hatte sie über die Schulter gelegt und bevor sie sie in die Krippe legte, klopfte sie ihr zweimal auf den Rücken.

Die anderen Kinder sahen sich verwundert an. Wie konnte sie den kleinen Jesus einfach so klopfen, als hätte er Bauchweh und sollte das gewohnte „Bäuerchen“ machen. Aber warum eigentlich nicht? Er konnte Bauchweh haben oder unruhig sein oder hungrig. Genau wie jedes andere Baby auch. Das war es ja gerade: das Jesus nicht auf einer Wolke heruntergekommen war, wie eine Märchenfigur, sondern dass er richtig geboren wurde und als Mensch lebte.

Als nächstes kam Hedwig hinter dem Engelchor hervor. Sie schubste die anderen aus dem Weg und da sie die einzige war, die etwas zu sagen hatte, nutzte sie das auch entsprechend aus. „He! Euch ist ein Kind geboren!“ schrie sie, und es klang wirklich wie die beste Botschaft der Welt. Dann wurde gesungen. Durch den Mittelgang kamen dann die Heiligen Drei Könige. Was hatten die denn mitgebracht? Also, die eigentlichen Geschenke waren es nicht. Man konnte es nicht gleich erkennen, aber es musste etwas schweres sein, denn Leopold hatte seine Last, es nicht fallen zu lassen.

Es war der Schinken, der aus einem der Spendenkörbe stammte. Eigentlich sollten die Hirten nun wieder weitergehen, doch die Herdmanns blieben da, setzten sich hin und ruhten sich aus.

Zum Anfang der proben dachten alle, die Herdmanns würden das Krippenspiel verderben. Doch eigentlich war genau das Gegenteil geschehen, sie haben das Krippenspiel um einiges verbessert. Sie haben einfach das getan, was ihnen logisch erschien. Zum Beispiel, dass sie das Baby auf den Rücken klopften und einen Schinken für ein besseres Geschenk hielten als eine ganze Menge parfümierter Öle. Gewöhnlich hatten die Kinder bis zum letzten Lied schon lange genug von der ganzen Krippenspiel Sache, dass sie das Ende kaum noch erwarten konnten. Aber diesmal war es anders. Sie wünschten sich fast, es ginge noch weiter, nur um zu sehen, was die Herdmanns noch alles anders machen würden.

Vielleicht würden die Heiligen Drei Könige Maria von der Geschichte mit Herodes erzählen, und sie würde ihnen raten, dass sie zurückgehen und ihm das Blaue vom Himmel herunterlügen sollten. Oder Josef würde mit ihnen zurückgehen und ein für allemal Schluss mit Herodes machen. Oder Josef und Maria würden den Heiligen Drei Königen das Christkind mitgeben, weil sie dachten, dass niemand auf Idee käme, es bei ihnen zu suchen.

Jeder hatte die ganze Zeit darauf gewartet, dass die Herdmanns etwas absolut Unerwartetes tun würden. Und dann war es passiert: Eugenia weinte. Im Kerzenlicht glänzte ihr ganzes Gesicht vor Tränen, und sie machte nicht einmal den Versuch, sie wegzuwischen. Sie saß nur da – die schlimme, schreckliche Eugenia, und weinte.

Es war wirklich das beste Krippenspiel, das die Gemeinde erlebt hatte. Das sagte hinterher jeder, aber niemand schien zu wissen, warum das so war. Jeder sagte, es sei etwas Besonderes dabei gewesen, aber keiner konnte es genau beschreiben….Man war sich einig, dass Maria von nun an immer etwas von Eugenia Herdmann haben wird, ein bisschen unruhig und verwirrt, aber bereit, jeden zu verprügeln, der ihrem Baby zu nahe treten will. Und die Heiligen Drei Könige werden immer, Leopold und sein Brüder sein, mit einem Schinken in der Hand.

Als alle an diesem Abend aus der Kirche kamen, war es kalt und klar. Der Schnee knirschte unter den Füßen und die Sterne leuchteten hell. Und alle dachten an den Verkündigungsengel, an Hedwig mit ihren dünnen Beinen und ihren schmutzigen Stiefeln, die unter ihrem Kostüm vorschauten, an Hedwig, die allen zurief:

„He, euch ist ein Kind geboren!“

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Image: Friedbert Simon In: Pfarrbriefservice.de

Artikel verfasst: 24.12.2020, 08:27 Uhr

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