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„Moralische Herausforderungen unserer Zeit begegnen“

18-10-28_Juden-Christen02

Dagmar Mensink vom Zentralkomitee deutscher Katholiken erläuterte im Pfarrsaal St. Pankratius die katholisch-christliche Sicht. Sie führte ihre Zuhörerinnen und Zuhörer in sieben Etappen bei einer Reise zur Vergangenheit und Gegenwart der christlich-jüdischen Beziehungen über die jahrhundertelange Verachtung, das Erschrecken der Shoa, den großen Wendepunkt durch das Dokument Nostra Aetate des Vatikanischen Konzils von 1965, die Meilensteine der Annäherung auf evangelischer Seite und neuere jüdische Erklärungen in Anerkennung von Nostra Aetate hin zu neueren Stolpersteinen im Dialog und den Aufgaben für die Fortsetzung des Dialogs in der Zukunft.

Aus ihren Ausführungen und der anschließenden intensiven Diskussion mit Fragen aus der Zuhörerschaft ergaben sich im Wesentlichen die folgenden Erkenntnisse.

Im Verhältnis Juden-Christen wie insbesondere in unserer Wahrnehmung der Politik des Staates Israel gegenüber den Palästinensern sind jegliche Verallgemeinerungen (die Juden oder der Staat Israel) hochbrisant. Man sollte vielmehr immer sehr genau konkrete Fälle im jeweiligen Kontext benennen. In den nach wie vor schwierigen Verhältnissen des Umgangs von Christen mit Juden kann man nicht mit einer raschen und endgültigen Entspannung insbesondere vonseiten der offiziellen Gremien hoffen. So bleibt auch hier nur die Hoffnung, dass möglichst viele Einzelne sich im Kontakt mit ihren Mitmenschen tolerant und ausgleichend verhalten. Wie in anderen gesellschaftlichen und politischen Bereichen auch, so in der Auseinandersetzung mit der AfD oder in der Europafrage, ist der Bildung der jungen Generation im Hinblick auf ein Verstehen des und die Verständigung mit dem Anderen stärkere Beachtung zu schenken. Das betrifft hier im Besonderen den Religionsunterricht.

Am zweiten Abend der Reihe mit dem Rabbiner Ahrens vom Landesverband der jüdischen Gemeinden Hessens im Gemeindezentrum der Evangelischen Limesgemeinde ging es ebenfalls zunächst um die wechselvolle Geschichte der christlich-jüdischen Beziehungen. Dabei stellte der Vortragende heraus, dass sich im 18./19. Jh. mehr die jüdische Seite um eine Integration in die Gesellschaft bemüht habe, aber immer wieder von der christlichen Gegenseite zurückgewiesen worden sei. Demgegenüber habe sich nach 1945 diese Lage eher umgekehrt: die christliche Seite habe sich – natürlich unter dem Eindruck des ungeheuren Ereignisses der Judenvernichtung durch die Nazis - mehr um die Verständigung mit den Juden bemüht, während diese verständlicherweise eher zurückhaltend reagiert hätten. Dies habe sich aber inzwischen (besonders nach 2015/2017) entscheidend verändert.

Diesen Wandel erläuterte Rabbiner Ahrens dann eindrucksvoll an der Erklärung orthodoxer Rabbiner aus Israel, den USA und Europa „Den Willen unseres Vaters im Himmel tun: Hin zu einer Partnerschaft zwischen Juden und Christen“ von 2016, an der er selbst führend beteiligt war. Diese Erklärung ist ein herausragender Aufruf zur Verständigung und Zusammenarbeit von Juden und Christen, „um den moralischen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen“.

Während man am ersten Abend noch ein wenig den Eindruck gewinnen konnte, dass vielleicht eine stärkere Bemühung der Menschheit um die Umsetzung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 die bestehenden Spannungen zwischen den Religionen überwinden könnte, machte Rabbiner Ahrens deutlich, dass die Trennungslinien in der Welt nicht so sehr zwischen den Religionen bestehen, sondern vielmehr zwischen Religiösen und Nichtreligiösen, die ja gerade in Europa ständig zunehmen. In dieser Situation müssten Juden und Christen, auch unter Einschluss des Islams, „eine aktive Rolle bei der Erlösung der Welt“ durch ihren gemeinsamen Dienst „bedingungsloser Liebe und Heiligkeit“ übernehmen.

Rabbiner Ahrens verband seine Ausführungen immer wieder mit erhellenden Erklärungen der jüdischen Glaubenswelt, so dass man ganz nebenbei viele neue Einsichten in diese Welt gewann. Seine Jugendlichkeit und sein strahlender Optimismus riss das Publikum ebenso mit wie am ersten Abend der Reihe die analytische Stärke und ausgleichende Art von Dagmar Mensink. So war es kein Wunder, dass das Publikum zwei interessante und spannende Abende verbrachte und sich abschließend positiv dafür aussprach, ein weiteres gemeinsames Treffen mit den beiden Vortragenden im nächsten Jahr zu organisieren, um den begonnenen Dialog fortzusetzen.

Wolfgang Küper

Artikel verfasst: 28.10.2018, 16:45 Uhr

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