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Plädoyer: Kirche als Pfarrei und Gemeinde

Im Zuge der Strukturreform im Bistum Limburg hin zu „Pfarreien neuen Typs“ wurde der neue Begriff „Kirchort“ eingeführt. Dieser wurde z. T. unüberlegt akzeptiert und übernommen und hat vor Ort den Begriff „Gemeinde“ verdrängt. Allerdings muss er, weil er neu und nicht aus sich heraus verständlich ist, Außenstehenden eigens erläutert werden. Der alte Begriff „Gemeinde“ trat demgegenüber mehr und mehr in den Hintergrund.

Hier wird nun der Versuch unternommen, den Gemeindebegriff wieder herauszuarbeiten und anstelle des Begriffes „Kirchort“ zu verwenden. Ziel ist die Etablierung des Begriffes „Gemeinde“ für das Zusammenleben als Kirche vor Ort in überschaubaren Zusammenhängen. Das trifft ebenso zu für einzelne Ortschaften, wie auch für Stadtteile in größeren Städten. Auch möglich ist die Verwendung des Begriffs für Schulen, Krankenhäuser, Kindertagesstätten etc.. Als Orte des konkreten Zusammenlebens von Christen (Katholiken) sind sie Gemeinden. Mehrere solcher Gemeinden können zusammen eine Pfarrei bilden, die den organisatorischen Rahmen für eine Gemeinschaft von Gemeinden darstellt.

Eine gute wissenschaftliche Aufarbeitung des Begriffes „Gemeinde“ findet sich im zweiten Band zur Pastoraltheologie von P.M. Zulehner mit dem Titel „Gemeindepastoral“. Dort steht es wie folgt (Zitate S. 60-69):

Es gibt eine „Wiederentdeckung der Gemeinde“ in unseren Jahrzehnten. Mit dem Begriff „Wiederentdeckung“ ist angedeutet, daß die Gemeindeidee keineswegs eine Erfindung heutiger Christen ist. Vielmehr werden wir in einer pastoralgeschichtlichen Skizze die These veranschaulichen, daß es die christliche Kirche nie gemeindelos gegeben hat. Zugleich aber wird der Gang durch die Pastoralgeschichte zeigen, daß sich das Aussehen der kirchlichen Gemeinden von den Anfängen her im Lauf der Zeit wiederholt gewandelt hat. So sehr also die Kirche nie gemeindelos war, so erlebten die Gemeinden einen tiefgreifenden Wandel in ihrer Sozialform. Anstoß dazu gab der jeweilige gesellschaftliche Ort der Gemeinden. …

Der biblische Befund läßt zwei Dimensionen erkennen: Gemeinden verdanken sich einerseits dem Wirken des dreifaltigen Gottes, durch das sie erwählt und wiedergeboren werden, woraus sich ein entsprechender Stil des Lebens und Zusammenlebens ergibt; sie leben andererseits unter vorfindbaren gesellschaftlichen Verhältnissen, die ihre Lebensweise und soziale Gestalt mitformen und die umgekehrt durch die Praxis der Christengemeinden beeinflußt werden. Die konkrete Gemeinde, ihr Leben und ihre Gestalt werden somit sowohl durch eine innere Dynamik wie durch äußere Verhältnisse geprägt. …

Der biblische Begriff „Ekklesia“ lässt entsprechend der unterschiedlichen Umstände von christlichem Leben zu neutestamentlicher Zeit verschiedenartige Sozialgestalten von Gemeinde erkennen:

- Ekklesia bedeutet an einigen Stellen die christliche Gemeindeversammlung, die konkret zur Liturgie, zum Hören des Wortes oder zum Liebesmahl zusammenkommt;

- die paulinischen „Hausgemeinden“, also die Gemeinschaft jener Christen, die sich immer wieder in einem bestimmten Haus zum Gottesdienst treffen;

- die Ortsgemeinde als die Zusammenfassung aller Christen, die in dieser Stadt leben;

- Ekklesia kann schließlich das ganze neutestamentliche Gottesvolk umgreifen, die Gesamtgemeinde aller Christen, wo immer sie auch leben mögen.

In Folge der Konstantinischen Wende war der Kirche eine größere Ausdehnung und Verbreitung möglich. Von den Städten aus wurden Landgemeinden für die dort lebenden Christen und die für sie eingesetzten Pfarrer gebildet. Sie hatten ihre Bedeutung sowohl als Einheiten der konkreten Seelsorge (Gemeinde) wie auch der dazu erforderlichen Administration (Pfarrei), die aber auch zusätzliche profane Zusatzfunktionen übernahm (Wirtschaft, Schule, Staat). Die Verknüpfung von Kirche und Staat lockerte sich aber wieder über die Jahrhunderte der Kirchengeschichte. Ab der Neuzeit verlor die Kirche immer mehr ihrer weltlichen Aufgaben. Offener werdende Industriegesellschaften und geistige Mobilität wirkten sich krisenhaft auf die überkommene Pfarrei aus. Das wegfallende religiöse und weltanschauliche Monopol einer christentümlichen Gesellschaft erlaubte es dem Bürger seine Beziehungen zur Kirche selbst zu bestimmen. Kehrseite dieser neuen alten Freiheit zur Entscheidung ist allerdings auch die Gefahr eines Auswahl- und Dienstleistungschristentums, das die Verbindlichkeit und Verlässlichkeit gemeindlicher Zusammenschlüsse sich immer neu erarbeiten muss. Wahrer Glaube wird zur „brüderlichen“, geschwisterlichen Liebe, vernetzt Menschen miteinander. Christlicher Glaube ist somit „prinzipiell gemeindlich“. Die Pastoralgeschichte zeigt aber zugleich, daß diese prinzipielle Gemeindlichkeit inmitten wandelbarer historischer Kontexte stets neuartige gemeindliche Sozialformen hervorgebracht hat: die „bruderschaftlichen“ Formen der neutestamentlichen Zeit; die Stadtgemeinden; die Gemeinden auf dem Land; die mittelalterlichen Pfarreien; die vielfältigen religiösen Vernetzungen von Christen in der hochkomplexen modernen Gesellschaft.

Aus dem Gesagten ergibt sich die Erkenntnis, dass

- Kirche als Gemeinde gelebt wird

- Gemeinde ein konkretes Zusammenleben bedeutet

- Konkretes Zusammenleben von Ort zu Ort und Situation zu Situation unterschiedlich ist

- mehrere Gemeinden eine Pfarrei bilden können

- bzw. wenn sie groß ist, eine Gemeinde auch mit der Pfarrei identisch sein kann.

Und für die Strukturreform im Bistum Limburg bedeutet es, dass eine „Pfarrei neuen Typs“ sich aus mehreren Gemeinden unterschiedlichster Art zusammensetzt, in denen der Glaube zunächst konkret vor Ort gelebt wird. Die Glaubensgemeinschaft in und als Gesamtpfarrei unterstützt dies. Gemeinsamkeiten als Pfarrei ergeben sich zudem aus der Notwendigkeit gemeinsamen Handelns nach dem Subsidiaritätsprinzip. Insbesondere wird dies deutlich

- im synodalen Miteinander (Pfarrgemeinderat)

- in der Verwaltung (Verwaltungsrat)

- und in der Administration (Pfarrbüro).

Alexander Brückmann

20. Juni 2015

Artikel verfasst: 13.10.2015, 09:07 Uhr

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